Implantologie Vertiefung 6 Min

Bruxismus und Implantat

Schritt 1 ·

Was du danach erklären kannst

Ein Risikofaktor, der nicht die Einheilung betrifft, sondern alles danach — und der eine anatomische Besonderheit des Implantats trifft.

1Warum das Implantat anders belastet wirdEine Struktur fehlt, und die wird gebraucht.
2Welche Komplikationen typisch sindVier, und sie treten in dieser Reihenfolge auf.
3Was sich planerisch anpassen lässtDrei Stellschrauben.
4Welchen Stellenwert die Schiene hatUnd was sie nicht leistet.
6 MinutenVertiefung3 Selbstcheck-Fragen3 Quellen

„Das macht doch beim Implantat nichts“

Planung52 Jahre, Implantat regio 36 geplant. Deutliche Schliffacetten, morgendliche Muskelverspannungen, bislang keine Schiene. „Mein Zahnarzt hat gesagt, ich knirsche — das macht mir doch beim Implantat nichts, oder?“

Doch, und zwar nicht bei der Einheilung, sondern danach. Der Grund liegt in einer Struktur, die dem Implantat fehlt.

Der springende PunktDem Implantat fehlt das Parodontalligament. Damit fehlen die Dämpfung überhöhter Kräfte und die Rückmeldung, die den natürlichen Zahn vor Überlastung schützt.

Warum das Implantat anders belastet wird

Der natürliche Zahn hängt im Parodontalligament. Es dämpft Kräfte, erlaubt eine geringe physiologische Beweglichkeit und trägt Rezeptoren, über die eine Überlastung wahrgenommen wird — was reflektorisch zur Entlastung führt.

Das Implantat ist ankylotisch mit dem Knochen verbunden. Es gibt keine Dämpfung, keine Ausweichbewegung und keine propriozeptive Rückmeldung in derselben Weise. Kräfte, die ein natürlicher Zahn abfedert, wirken hier direkt auf die Konstruktion und den umgebenden Knochen.

Komplikation Wo sie auftritt
Lockerung der Abutmentschraube Die häufigste technische Komplikation
Abplatzungen an der Verblendung Bei keramisch verblendeten Konstruktionen
Fraktur von Schraube oder Abutment Bei anhaltender Überlastung
Marginaler Knochenabbau Als Folge fortgesetzter Überbelastung diskutiert

  • Zahl und Verteilung der Implantate — mehr Pfeiler verteilen die Kraft
  • Durchmesser und Länge — größere Dimensionen bieten mehr Widerstand
  • Art der Verbindung zur Suprakonstruktion — eine verschraubte Versorgung lässt sich bei einer Schraubenlockerung wieder anziehen, eine zementierte nicht ohne Weiteres

Der dritte Punkt wird unterschätzt. Bei einem Patienten, bei dem eine Schraubenlockerung wahrscheinlich ist, macht die Zugänglichkeit den praktischen Unterschied — die Einzelheiten stehen in der Lektion zur Entscheidung zwischen verschraubt und zementiert.

Welchen Stellenwert die Schiene hat

Eine Okklusionsschiene schützt die Konstruktion vor den nächtlichen Kräften und ist bei diesen Patienten fester Bestandteil der Planung. Was sie nicht leistet: den Bruxismus beenden. Die Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung des Bruxismus ordnet die Schienentherapie als schützende, nicht als kausale Maßnahme ein.

⚠️ Der Zeitpunkt zählt

Die Schiene gehört vor die implantatprothetische Versorgung — angefertigt, eingegliedert und eingewöhnt. Ein Patient, der sie erst nach der Versorgung bekommt und sich nicht daran gewöhnt, hat sie im entscheidenden Zeitraum nicht getragen. Und eine Schiene, die auf eine noch nicht vorhandene Konstruktion angefertigt wurde, passt danach nicht mehr — die zeitliche Abstimmung gehört in die Planung.

Dass das Komplikationsrisiko erhöht ist, welche Komplikationen typisch sind und dass sie eher technischer als biologischer Natur sind. Das ist eine wichtige Unterscheidung: Eine gelockerte Schraube ist ärgerlich und behebbar, ein Implantatverlust wäre etwas anderes.

Ebenso gehört benannt, dass die Schiene dauerhaft getragen werden muss — und dass sie regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls erneuert wird.

Drei Fragen

Bei einem 52-Jährigen mit bestätigtem Bruxismus ist ein Implantat geplant. Welche Aussage trifft nicht zu?

Die dritte. Das Risiko betrifft die Zeit nach der Versorgung — dann wirken die Kräfte auf die Konstruktion.Offene FrageWarum ist die Einheilung weniger betroffen? Weil das Implantat in dieser Phase noch nicht belastet wird. Die Kräfte greifen erst an, wenn die Suprakonstruktion sitzt.

Was lässt sich bei Bruxismus planerisch anpassen?

Drei. Die Einheilzeit richtet sich nach der Osseointegration, nicht nach dem Bruxismus — und auf die Schiene wird gerade nicht verzichtet.Offene FrageWarum ist die Verbindungsart relevant? Weil eine verschraubte Versorgung bei einer Schraubenlockerung wieder zugänglich ist. Bei einem Patienten, bei dem genau das wahrscheinlich ist, macht das den praktischen Unterschied.

Was leistet die Okklusionsschiene?

Die erste. Die Leitlinie ordnet die Schienentherapie als schützende, nicht als kausale Maßnahme ein.Offene FrageWarum gehört sie trotzdem zwingend dazu? Weil sie das Einzige ist, was die Kräfte im Schlaf begrenzt — und genau dort entstehen sie. Ohne sie bleibt die Konstruktion ungeschützt.

Das, was hängenbleiben soll

Kein Parodontalligament, keine Dämpfung — die Schiene schützt, heilt aber nicht.

Quellen

  • S3-Leitlinie „Diagnostik und Behandlung von Bruxismus“, AWMF-Registernummer 083-027, Stand Mai 2019, AWMF-Register-Nr. 083-027, federführend DGFDT und DGZMK.Deckt ab: Diagnostik des Bruxismus, Einordnung als Risikofaktor und Stellenwert der Schienentherapie
  • S3-Leitlinie „Die Behandlung periimplantärer Infektionen an Zahnimplantaten“, AWMF-Registernummer 083-023, Stand Dezember 2022, federführend DGI und DGZMK.Deckt ab: Überlastung als Faktor in der Bewertung periimplantärer Veränderungen
  • Bürgerliches Gesetzbuch §§ 630a bis 630f — Behandlungsvertrag, Aufklärung über Alternativen und Risiken sowie Dokumentation.Deckt ab: Aufklärung über das erhöhte Komplikationsrisiko und deren Dokumentation

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