Diabetes und Implantat
Schritt 1 ·
Was du danach erklären kannst
Für diese Frage gibt es eine eigene S3-Leitlinie — und ihre Kernaussage ist beruhigender, als viele erwarten. Entscheidend ist nicht die Diagnose, sondern die Einstellung.
„Geht das Implantat trotzdem?“
Wahrscheinlich ja — und der erste Schritt ist ein aktueller Wert, nicht einer aus dem Quartal davor.
Was die Leitlinie sagt
Für diese Fragestellung existiert eine eigene S3-Leitlinie der implantologischen Fachgesellschaft. Ihre Kernaussage: Bei gut eingestelltem Diabetes sind implantologische Versorgungen möglich und die Ergebnisse mit denen stoffwechselgesunder Patienten vergleichbar.
Mit zunehmend schlechterer Einstellung steigt das Risiko — für Wundheilungsstörungen, für ein Ausbleiben der Osseointegration und für periimplantäre Erkrankungen. Die Leitlinie arbeitet dabei mit einer abgestuften Risikoeinschätzung, nicht mit einer festen Grenze, ab der nicht mehr implantiert wird.
Daraus folgt der praktische Grundsatz: Der Langzeitwert ist ein Momentaufnahme-Marker über die letzten Wochen bis Monate. Ein drei Monate alter Wert beschreibt nicht die aktuelle Lage — und die ist es, die zählt.
Praktisch heißt das: Die Einschätzung erfolgt gemeinsam mit der behandelnden Praxis, nicht anhand einer Zahl aus einer Tabelle.
Was du klärst und was beim Termin zählt
| Vor dem Eingriff | Inhalt |
|---|---|
| Aktueller Langzeitwert | Nicht der aus dem letzten Quartal |
| Hausärztliche Rücksprache | Einschätzung der Stabilität und der Wundheilungssituation |
| Begleiterkrankungen | Folgeschäden verändern die Abwägung mit |
| Aufklärung | Über das erhöhte Risiko, dokumentiert |
| Beim Termin | Warum |
|---|---|
| Vormittags, nach Frühstück und Medikation | Vermeidet eine Unterzuckerung im Eingriff |
| Eingriffsdauer im Blick behalten | Lange Termine ohne Nahrungsaufnahme sind ungünstig |
| Traubenzucker bereithalten | Für den Fall, dass es doch dazu kommt |
| Engmaschige Wundkontrolle | Die Heilung kann verzögert verlaufen |
Diabetes ist ein Risikofaktor für periimplantäre Erkrankungen — nicht nur für die Einheilung. Das Nachsorgeintervall gehört deshalb kürzer angesetzt als bei stoffwechselgesunden Patienten, und zwar dauerhaft.
Drei Fragen
Ein 62-jähriger Typ-2-Diabetiker mit grenzwertigem Langzeitwert wünscht ein Implantat. Welche Aussage trifft nicht zu?
Was gehört bei diesem Patienten zur Planung?
Was ist beim Termin selbst zu beachten?
Das, was hängenbleiben soll
Quellen
- S3-Leitlinie „Zahnimplantate bei Diabetes mellitus“, AWMF-Register-Nr. 083-025, Stand Dezember 2022, gültig bis Dezember 2027. Federführend Deutsche Gesellschaft für Implantologie (DGI) und DGZMK.Deckt ab: Indikationsfindung bei Diabetes mellitus, Bedeutung der Stoffwechseleinstellung, Risikoabschätzung und Empfehlungen zur Aufklärung und interdisziplinären Abstimmung
- Herrera D, Berglundh T, Schwarz F et al. Prevention and treatment of peri-implant diseases — The EFP S3 level clinical practice guideline. Journal of Clinical Periodontology 2023; 50 (Suppl 26): 4–76.Deckt ab: Diabetes als Risikofaktor für periimplantäre Erkrankungen
- Bürgerliches Gesetzbuch §§ 630a bis 630f — Behandlungsvertrag, Aufklärung über Alternativen und Risiken sowie Dokumentation.Deckt ab: Aufklärung über das Risiko und Dokumentation der Abstimmung mit der behandelnden Praxis
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